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Pestizide im Bier: Französischer Test kritisiert bekannte Marken

Junger Mann wählt Bierflasche im Supermarkt mit Einkaufswagen und Notizblock.
In diesem Artikel
  1. Verbrauchertest findet Pestizidrückstände in Bier
  2. Gesundheitsrisiko oder vor allem ein Qualitätsmangel?
  3. Drei bekannte Biermarken schneiden deutlich schlecht ab
  4. Elf Biere waren im Test vollständig rückstandsfrei
  5. Wie Biertrinker im Supermarkt bewusstere Entscheidungen treffen können
  6. Glyphosat, Fungizide & Co.: Was steckt dahinter?
  7. Was deutsche Verbraucher aus der französischen Studie ableiten können

Ein kühles Bier vor dem Fernseher, ein Fußballabend mit Freunden oder rasch ein Sixpack aus dem Supermarkt: Für viele Menschen in Frankreich und Deutschland gehört Bier ganz selbstverständlich zum Alltag. Eine neue Untersuchung des französischen Verbrauchermagazins „60 Millions de consommateurs“ stellt diesen Routinekauf nun infrage. Sie zeigt, dass mehrere große Marken im Test unerwartet schlecht bewertet wurden.

Verbrauchertest findet Pestizidrückstände in Bier

Die Redaktion von „60 Millions de consommateurs“ liess 45 besonders häufig im Handel gekaufte Biere analysieren. Darunter waren 39 helle Lagerbiere sowie 6 Weissbiere. Fachleute suchten im Labor nach rund 250 unterschiedlichen Pestizid-Molekülen, die beim Anbau von Gerste und Hopfen in die Rohstoffe gelangen können.

Ergebnis: In 34 von 45 getesteten Bieren fanden sich Rückstände von Pestiziden – wenn auch in sehr niedrigen Mengen.

Die Analyse ergab, dass zahlreiche Flaschen mehrere Stoffe zugleich enthielten. Besonders oft wurde das umstrittene Herbizid Glyphosat nachgewiesen. Ausserdem fanden die Fachleute drei Fungizid-Wirkstoffe: Boscalid, Folpet und Phthalimid. Bei insgesamt 25 Bieren waren Glyphosatspuren messbar.

Die festgestellten Konzentrationen reichten von rund 0,4 bis über 9 Mikrogramm je Liter. Den höchsten Wert des gesamten Tests erreichte die helle Variante einer bekannten Abteibier-Marke mit knapp 9,3 Mikrogramm pro Liter.

Gesundheitsrisiko oder vor allem ein Qualitätsmangel?

Zunächst die Entwarnung: Nach Einschätzung des Magazins besteht keine akute Gefahr. Die Redaktion berechnete, welche Menge theoretisch getrunken werden müsste, um die maximal empfohlene tägliche Glyphosatdosis zu überschreiten. Das Resultat klingt beinahe unrealistisch: Von der am stärksten belasteten Sorte wären ungefähr 2.000 Liter täglich nötig.

Deshalb sehen die Tester kein unmittelbares Gesundheitsrisiko. Stattdessen rücken sie die Rohstoffqualität, die Nachvollziehbarkeit von Lieferketten und die Belastung durch Pestizide aus unterschiedlichen Lebensmitteln in den Mittelpunkt. Diese kann sich im Alltag etwa über Getreideerzeugnisse, Gemüse und Trinkwasser addieren.

Die Kernbotschaft: Pestizide gehören grundsätzlich nicht ins Bierglas – auch dann nicht, wenn die Menge rechtlich unbedenklich bleibt.

Drei bekannte Biermarken schneiden deutlich schlecht ab

In der Gesamtbewertung fallen drei Sorten besonders negativ auf. Sowohl bei den Pestizidwerten als auch bei Transparenz und Preis-Leistungs-Verhältnis liegen sie klar hinter dem übrigen Testfeld. Das Magazin rät dazu, diese Biere nicht regelmässig zu kaufen.

Die im Test besonders kritisierten Marken

  • Affligem Blonde – ein industriell produziertes Lager, das als Abteibier vermarktet wird.
  • Hoegaarden – ein sehr bekanntes Weissbier.
  • Itinéraire des Saveurs – ein helles Handelsmarkenbier eines grossen französischen Supermarktverbunds.

Bei allen drei Produkten wurden überdurchschnittlich hohe Pestizidrückstände festgestellt. Affligem Blonde führte dabei beim Glyphosatgehalt. Nach Ansicht der Tester kommen weitere Schwachstellen hinzu:

  • wenig konkrete oder sehr knappe Angaben zur Herkunft des verwendeten Getreides
  • Etiketten, die dem Bericht zufolge schwer zu lesen oder missverständlich formuliert sind
  • Preise, die nicht dem Qualitätsniveau entsprechen, das das Marketing vermittelt

Bezeichnungen wie „Kloster“, „Abtei“ oder „Tradition“ vermitteln insbesondere den Eindruck handwerklicher Produktion und besonderer Sorgfalt bei den Zutaten. Aus Sicht der Verbraucherschützer passen die Laborergebnisse und die spärlichen Informationen auf den Flaschen jedoch nur eingeschränkt zu diesem Bild.

Elf Biere waren im Test vollständig rückstandsfrei

Die Untersuchung liefert auch ein positives Ergebnis: Bei 11 der 45 geprüften Biere konnten keine Pestizidspuren nachgewiesen werden. Darunter befinden sich gerade einige grosse Marken, die auch in deutschen Supermarktregalen erhältlich sind.

Große Industrie kann Rückstandswerte offenbar deutlich senken – zumindest bei einem Teil des Sortiments.

Zu den rückstandsfrei getesteten Sorten gehören unter anderem:

  • Heineken Lager
  • Carlsberg
  • 33 Export

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass Bier aus Massenproduktion nicht automatisch stärker mit Pestiziden belastet sein muss. Offenbar lässt sich schon durch die Auswahl von Rohstoffen und Lieferanten einiges verbessern.

Wie Biertrinker im Supermarkt bewusstere Entscheidungen treffen können

Der Test stellt Käuferinnen und Käufer vor ein praktisches Problem: Weder Glyphosat noch Boscalid sind vor dem Regal sichtbar. Dennoch gibt es einige Hinweise, mit denen sich das Risiko zumindest tendenziell senken lässt.

Vier Signale, die einen genaueren Blick wert sind

  • Kurze, verständliche Zutatenliste: Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – je klarer die Liste, desto besser. Zusatzstoffe oder Aromen sollten eindeutig angeführt sein.
  • Transparente Herkunft: Angaben zu regionaler Gerste, Hopfen aus bestimmten Anbaugebieten oder namentlich genannten Partner-Landwirten weisen auf ein gewisses Verantwortungsbewusstsein hin.
  • Preis und Inhalt vergleichen: Ein hoher Preis oder ein aufwendig gestaltetes „Traditions“-Design sagt nichts über die Reinheit der Rohstoffe aus. Der Literpreis erleichtert den Vergleich.
  • Bio-Siegel als Orientierung: Biobetriebe dürfen chemisch-synthetische Pestizide nur sehr eingeschränkt verwenden. Eine vollständige Rückstandsfreiheit wird dadurch jedoch nicht garantiert.

Ein weiterer Grundsatz bleibt unverändert: Weniger ist mehr. Wer Bier massvoll konsumiert, verringert nicht nur die Alkoholbelastung des Körpers, sondern auch die mögliche Aufnahme von Schadstoffen – unabhängig davon, ob es sich um Pestizide, Fuselalkohole oder andere Spurenstoffe handelt.

Glyphosat, Fungizide & Co.: Was steckt dahinter?

Viele in der Untersuchung genannte Stoffe klingen für Laien eher nach Labor als nach Braukessel. Ein kurzer Überblick erleichtert die Einordnung.

Wirkstoff Wofür er im Anbau genutzt wird Warum er in Bier landet
Glyphosat Unkrautvernichter auf Feldern, häufig vor der Aussaat oder zur Feldräumung Gelöste Reste können in die Gerste gelangen, aus der später Malz entsteht
Boscalid Fungizid gegen Pilzkrankheiten an verschiedenen Kulturpflanzen Schützt Getreidepflanzen, kann sich auf den Körnern ablagern
Folpet Breit eingesetztes Fungizid im Obst- und Weinbau, teils auch im Ackerbau Rückstände bleiben an der Pflanze und überstehen nachweisbar die Verarbeitung
Phthalimid Abbauprodukt bestimmter Fungizide Entsteht, wenn andere Wirkstoffe sich zersetzen, und taucht dann als Spur im Endprodukt auf

Die erlaubten Grenzwerte basieren auf toxikologischen Studien und liegen klar über den Mengen, die im Bier gemessen wurden. Die Diskussion betrifft daher weniger ein einzelnes Glas oder eine Flasche, sondern die Summe vieler kleiner Einträge über die gesamte Ernährung hinweg.

Was deutsche Verbraucher aus der französischen Studie ableiten können

Die untersuchten Sorten wurden überwiegend in französischen Supermärkten gekauft. Die grundlegenden Fragen lassen sich dennoch ohne Weiteres auf Deutschland übertragen: Wie offen arbeiten grosse Brauereikonzerne? Wie streng überprüfen Händler ihre Eigenmarken? Und wie sauber sind Rohstoffketten, die sich über mehrere Länder erstrecken – etwa wenn Gerste aus Osteuropa stammt, Hopfen aus Deutschland kommt und die Abfüllung in Belgien erfolgt?

Für heimische Brauereien kann die Studie ein Anlass sein, Pestizidwerte aktiv prüfen zu lassen und transparent darüber zu informieren. Einige Craft-Brauereien werben bereits mit regionaler Bio-Gerste oder Vereinbarungen mit bestimmten Landwirten. Wer sich für ein solches Produkt entscheidet, bezahlt oft mehr, erhält im Gegenzug aber meist klarere Herkunftsinformationen und einen engeren Bezug zur Landwirtschaft dahinter.

Verbraucher können ihr Einkaufsverhalten schrittweise verändern: etwa eine Sorte mit Bio-Siegel probieren, regionale Marken wählen, gelegentlich direkt bei einer Brauerei nachfragen oder Laborberichte auf Brauerei-Websites lesen. Solche Fragen erhöhen den Druck – und dieser führt im Lebensmittelbereich oft schneller zu Verbesserungen als jede Werbekampagne.

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Mag. Lukas Hinteregger

Mag. Lukas Hinteregger ist Landschaftsarchitekt und Spezialist für nachhaltiges Bauen mit Holz sowie naturnahe Rückzugsorte im Grünen. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit Baumhäusern, ressourcenschonender Architektur und der Verbindung von Wohnkomfort und Waldökologie. Seine besondere Leidenschaft gilt individuell geplanten Treehäusern, die sich behutsam in die österreichische Landschaft einfügen.

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