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Selen: Nutzen, Risiken und Potenzial in der Krebsbehandlung

Frau sitzt nachdenklich am Tisch mit Omega-3-Kapseln, Lachs, Nüssen und einem Glas Wasser.
In diesem Artikel
  1. Die richtige Selen-Dosis
  2. Selen und Krebsprävention
  3. Selen in der Krebsbehandlung
  4. Das richtige Gleichgewicht bei Selen

Selen ist ein Nährstoff, der für die menschliche Gesundheit eine zentrale Bedeutung hat. Es unterstützt die Funktion von Schilddrüse und Immunsystem, die Reparatur der DNA sowie die Herz-Kreislauf- und kognitive Gesundheit.

Als Antioxidans schützt es Zellen vor instabilen Molekülen, die DNA, Proteine und Zellmembranen schädigen können. Es kann sogar vor Krebs schützen.

Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das in Lebewesen, Böden und Pflanzen vorkommt. Der Körper benötigt davon nur geringe Mengen, um ordnungsgemäss zu funktionieren. Für Erwachsene beträgt die empfohlene Tageszufuhr 55 Mikrogramm Selen; die obere Grenze liegt bei 400 Mikrogramm.

Zum Vergleich: Erwachsene benötigen täglich zwischen 900 und 10.000 Mikrogramm Kupfer, ebenfalls ein Spurenelement, sowie zwischen 8.000 und 40.000 Mikrogramm des Spurenelements Zink.

Sowohl ein Selenmangel als auch ein Selenüberschuss können erhebliche gesundheitliche Folgen haben.

In meiner Tätigkeit als Forscher im Bereich der pharmazeutischen Wissenschaften untersuche ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen, ob Selen die Wirksamkeit einer Chemotherapie in der Krebsbehandlung steigern kann.

Die richtige Selen-Dosis

Der Chemiker Jöns Jacob Berzelius entdeckte Selen erstmals 1817, als er eine Verunreinigung in einer Charge Schwefelsäure aus einer schwedischen Fabrik analysierte. Zunächst hielt Berzelius das Material für das Element Tellur, erkannte jedoch später, dass es sich um eine damals unbekannte Substanz handelte.

Er benannte das Mineral nach Selene, der griechischen Mondgöttin. Ausschlaggebend war die Ähnlichkeit mit Tellur, das seinen Namen von der römischen Göttin der Erde erhalten hatte.

Selen kommt sowohl in organischer als auch in anorganischer Form vor.

Organische Verbindungen enthalten Kohlenstoffatome und stammen üblicherweise von Lebewesen. Anorganische Verbindungen enthalten dagegen keine Kohlenstoffatome und gehen im Allgemeinen auf unbelebte Quellen zurück. Die Zellen wandeln diese Formen chemisch ineinander um, um unterschiedliche physiologische Funktionen auszuführen.

Selenmangel stellt vor allem in Gebieten mit selenarmen Böden ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar, etwa in Teilen Chinas, Afrikas und Europas.

Niedrige Selenwerte werden mit der Keshan-Krankheit, einer tödlichen Herzerkrankung, sowie mit der Kashin-Beck-Krankheit in Verbindung gebracht, die Gelenke und Knochen beeinträchtigt. Ein Mangel schwächt zudem die Immunfunktion und erhöht damit die Anfälligkeit für Infektionen.

Auch eine übermässige Selenaufnahme ist problematisch.

Eine Überdosierung durch Nahrungsergänzungsmittel oder eine hohe Belastung aus der Umwelt kann zu Selenose führen. Zu ihren Beschwerden zählen brüchige Haare und Nägel, Verdauungsprobleme, Hautausschläge sowie neurologische Symptome wie Reizbarkeit und Müdigkeit.

In schweren Fällen kann eine Selenvergiftung Organversagen und den Tod verursachen.

Selen besitzt ein enges therapeutisches Fenster, also einen Dosierungsbereich, der eine sichere und wirksame Behandlung bei möglichst geringen schädlichen Nebenwirkungen ermöglicht. So kann Selen die Immunfunktion des Körpers je nach Dosis steigern oder verringern.

Angemessene Selenwerte verbessern die Fähigkeit von Immunzellen, Infektionen und Tumoren zu bekämpfen. Eine übermässige Aufnahme kann Immunreaktionen hingegen unterdrücken, indem sie Immungewebe schädigt.

Selen und Krebsprävention

Selen könnte sowohl bei der Behandlung als auch bei der Vorbeugung von Krebs Potenzial haben.

Forschende beschäftigen sich seit Langem mit der Rolle von Selen in der Krebsprävention. Zunächst stand der Verdacht im Raum, dass es krebserregend sein könnte; spätere Untersuchungen zeigten jedoch schützende Effekte gegen Leberschäden. In den 1960er-Jahren schlugen Forschende vor, Selen zur Krebsprävention einzusetzen. In den 1990er-Jahren gewann dieses Konzept weiter an Bedeutung.

Gross angelegte klinische Studien lieferten allerdings widersprüchliche Ergebnisse. Die Selenium and Vitamin E Cancer Prevention Trial war eine Studie mit mehr als 35.500 Männern, die von 2001 bis 2004 lief.

Dabei zeigte sich, dass eine tägliche Einnahme von Selen das Risiko für Prostatakrebs nicht senkte. Bei Männern, die bereits hohe Selenwerte aufwiesen, könnte sie das Prostatakrebsrisiko sogar erhöhen.

Ergebnisse der Nutritional Prevention of Cancer Trial, die von 1983 bis 1996 durchgeführt wurde, deuteten darauf hin, dass Selen vor Prostatakrebs und anderen Krebsarten schützen könnte. Die Forschenden stellten bei den Teilnehmenden jedoch auch ein häufigeres Auftreten von nichtmelanozytärem Hautkrebs fest.

Diese gegensätzlichen Resultate könnten darauf zurückzuführen sein, dass in den Studien unterschiedliche Selenformen untersucht wurden und die Teilnehmenden zu Beginn unterschiedliche Selenwerte hatten.

Andere Studien ergaben, dass mit Selen verunreinigtes Wasser in einer italienischen Gemeinde mit einem erhöhten Melanomrisiko verbunden war.

Selen in der Krebsbehandlung

Selen könnte zudem das Potenzial haben, die Ausbreitung von Krebs zu verhindern.

Meine Forschung befasst sich damit, Selen als Ergänzung zur Chemotherapie bei Krebs einzusetzen. Selenverbindungen wie Methylselensäure, kurz MSA, und Seleno-L-Methionin, kurz SLM, erscheinen vielversprechend, weil sie Proteine angreifen können, die das Fortschreiten von Tumoren und Behandlungsresistenzen fördern.

Mein Team und ich fanden in Studien heraus, dass MSA wesentliche biochemische Signalwege bei Nierenkrebs beeinflussen kann. Dies geschieht, indem es die Konzentration von Proteinen verringert, die das Tumorwachstum und die Umgehung der Immunabwehr beeinflussen. Zudem beobachteten wir, dass SLM das Wachstum von Nierentumoren bei Mäusen ohne toxische Nebenwirkungen verlangsamen könnte.

Noch bedeutsamer war das Ergebnis einer klinischen Phase-1-Studie: Die Kombination von SLM mit dem Chemotherapeutikum Axitinib erwies sich bei Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Nierenkrebs als wirksam und verursachte nur geringe Nebenwirkungen.

Von den 27 behandelten Patientinnen und Patienten schrumpften bei mehr als der Hälfte die Tumoren. Das mediane Gesamtüberleben lag bei nahezu 20 Monaten. Diese Ergebnisse legen nahe, dass Selen die Chemotherapie synergetisch unterstützen und ihre Wirksamkeit erhöhen könnte.

Weitere Untersuchungen dazu, wie Selen Behandlungsresistenzen überwinden helfen kann und welche Dosierungen optimal sind, werden sein Potenzial als sinnvolle Ergänzung der Krebsbehandlung genauer klären.

Das richtige Gleichgewicht bei Selen

Ob als Unterstützung des Immunsystems oder als mögliche Behandlung von Krankheiten: Die Bedeutung von Selen für die menschliche Gesundheit ist unbestreitbar.

Selenreiche Lebensmittel wie Paranüsse, Meeresfrüchte, Vollkornprodukte und Eier können dazu beitragen, optimale Nährstoffwerte aufrechtzuerhalten. In Regionen mit selenarmen Böden kann eine Nahrungsergänzung unter ärztlicher Aufsicht erforderlich sein.

Der schmale Grat zwischen Nutzen und Schaden unterstreicht, wie wichtig eine ausgewogene Zufuhr und individuell abgestimmte Ansätze bei der Selenergänzung sind. Mit fortschreitender Forschung wird die vielschichtige Rolle von Selen für die Gesundheit meiner Ansicht nach klarer werden.

Aliasger K. Salem, Professor für Pharmazeutische Wissenschaften, University of Iowa

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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Mag. Lukas Hinteregger

Mag. Lukas Hinteregger ist Landschaftsarchitekt und Spezialist für nachhaltiges Bauen mit Holz sowie naturnahe Rückzugsorte im Grünen. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit Baumhäusern, ressourcenschonender Architektur und der Verbindung von Wohnkomfort und Waldökologie. Seine besondere Leidenschaft gilt individuell geplanten Treehäusern, die sich behutsam in die österreichische Landschaft einfügen.

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