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Leclerc: Schokolade ohne Kakao und hohe Preise

Jemand hält eine dunkle Schokoladentafel mit kleinem Einkaufswagen vor einem Supermarktregal mit Preisanzeige.
In diesem Artikel
  1. Leclerc setzt bei Schokolade ohne Kakao auf Sonnenblumenkerne
  2. Ökologie dient wieder einmal als Begründung
  3. Schokolade in zwei Preisklassen

Weil Carrefour Ende 2025 vorgelegt hat, zieht nun Leclerc mit Schokolade … ohne Kakao nach. Die Reaktion auf explodierende Preise sagt viel über die Kaufkraft der Französinnen und Franzosen aus.

Ist Kakao zu teuer, wird er eben ersetzt: So lautet Leclercs Antwort auf die Probleme rund um die Kaufkraft in Frankreich. Der Handelskonzern hat angekündigt, Mitte März unter seiner Marke Repère die Reihe „Tablette d’Or ohne Kakao“ auf den Markt zu bringen. Angeboten werden drei 100-g-Varianten – Milchkaramell, Puffreis und Feuilletine – zu Preisen zwischen 1,09 und 1,19 Euro. Statt Kakaobohnen kommen fermentierte und geröstete Sonnenblumenkerne zum Einsatz, die zu Pulver vermahlen werden, um den Geschmack von Schokolade nachzuahmen.

Leclerc setzt bei Schokolade ohne Kakao auf Sonnenblumenkerne

Leclerc ist mit diesem Konzept keineswegs Vorreiter. Bereits seit Dezember 2025 verkauft Carrefour exklusiv eine Tafel der Marke Choviva. Sie wird von dem elsässischen KMU Abtey aus Sonnenblumenkernen und Traubenkernen hergestellt und kostet 1,99 Euro. Entwickelt wurde das Produkt ursprünglich vom deutschen Start-up Planet A Foods; seinen ersten Auftritt im Supermarkt hatte es zu Ostern 2025.

Weshalb tauchen solche Produkte nun auf? Der Kakaopreis hat sich innerhalb von zwei Jahren nahezu verdreifacht: von 2.600 Dollar je Tonne Anfang 2023 auf durchschnittlich mehr als 8.000 Dollar, mit Spitzenwerten von 12.000 Dollar Ende 2024. Entsprechend stark verteuerten sich klassische Schokoladentafeln, während die Handelsketten Mühe haben, weiterhin den Eindruck leistbarer Regale zu vermitteln. Dass Leclerc Ende 2025 Lindt-Weihnachtsschokolade wegen einer fehlenden Handelsvereinbarung aus dem Sortiment nahm, zeigte diese Sackgasse bereits.

Ökologie dient wieder einmal als Begründung

Leclerc und Carrefour führen für den Austausch nicht bloss den Preis ins Treffen. Sie argumentieren auch mit Umweltaspekten: Sonnenblumen würden in Europa angebaut und verursachten einen um 80 % geringeren CO₂-Fussabdruck als Kakao, dessen Erzeugung mit massiver Entwaldung in der Elfenbeinküste und Ghana verbunden ist. Auf den ersten Blick wirkt dieser Ansatz durchaus nachvollziehbar.

Doch das Argument wirkt reichlich konstruiert. Schliesslich kannten dieselben Handelsketten die Umweltbilanz von Kakao schon lange, bevor dieser so teuer wurde. Das grüne Narrativ erscheint – wenig überraschend – genau in dem Moment, in dem es dem wirtschaftlichen Interesse entspricht: den Ertrag in einem angeschlagenen Schokoladensortiment zu schützen. Wäre Kakao bei 2.600 Dollar je Tonne geblieben, hätte bei Leclerc oder Carrefour niemand daran gedacht, ihn unter dem Deckmantel eines ökologischen Engagements durch Sonnenblumen zu ersetzen.

Schokolade in zwei Preisklassen

Weder Leclerc noch Carrefour haben den Verkauf von kakaohaltiger Schokolade eingestellt. Vielmehr haben die Unternehmen eine Art „Schokolade mit zwei Geschwindigkeiten“ geschaffen. Auf der einen Seite stehen Lindt-Tafeln ab 2,49 Euro für jene, die sie sich leisten können. Auf der anderen Seite gibt es eine Ersatzschokolade, attraktiv verpackt in einem Diskurs über „Kaufkraft“ und „Umweltverantwortung“.

Kaufkraft zu verteidigen bedeutet jedoch nicht, ein Produkt durch eine schwache Nachahmung zu ersetzen. Es bedeutet, dafür zu kämpfen, dass das Original leistbar bleibt. Doch das ist weniger rentabel.

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Mag. Lukas Hinteregger

Mag. Lukas Hinteregger ist Landschaftsarchitekt und Spezialist für nachhaltiges Bauen mit Holz sowie naturnahe Rückzugsorte im Grünen. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit Baumhäusern, ressourcenschonender Architektur und der Verbindung von Wohnkomfort und Waldökologie. Seine besondere Leidenschaft gilt individuell geplanten Treehäusern, die sich behutsam in die österreichische Landschaft einfügen.

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