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Warum Obst und Gemüse im Supermarkt so teuer wirken

Junge mit Einkaufsliste wählt Äpfel im Supermarkt zwischen Obst und Gemüse aus.
In diesem Artikel
  1. Obst und Gemüse: geringe Warenmenge, enorme Umsätze
  2. Weshalb Obst und Gemüse so teuer erscheinen
  3. Wie Supermärkte mit Obst und Gemüse andere Sortimente quersubventionieren
  4. Weshalb Obst und Gemüse auch günstiger sein könnte
  5. Welche politischen und praktischen Lösungen zur Diskussion stehen
  6. Was Käuferinnen und Käufer schon heute tun können
  7. Warum Märkte und Hofläden oft günstiger wirken – und wann sie es sind
  8. Worauf es künftig ankommt

Wer Tomaten abwiegt oder ein Kilo Bananen in den Einkaufskorb legt, schaut meist automatisch auf den Preis. Viele Konsumentinnen und Konsumenten empfinden gerade Obst und Gemüse als deutlich schneller teurer werdend als den übrigen Einkauf. Handelsdaten machen jedoch klar: Frische Produkte verkaufen sich weiterhin gut und sorgen bei Supermärkten für beachtliche Erlöse.

Obst und Gemüse: geringe Warenmenge, enorme Umsätze

Frische Lebensmittel stehen bei Haushalten regelmäßig auf dem Einkaufszettel. 2025 kauften Haushalte durchschnittlich rund 163 Kilo Obst und Gemüse pro Haushalt – das waren etwa 3 Prozent mehr als 2024. Der durchschnittliche Preis lag bei 3,10 Euro je Kilo. Für Handelsketten ist diese Warengruppe damit längst nicht mehr bloß ein Lieferant für Vitamine.

Beim Einkauf konzentrieren sich viele auf einige bekannte Sorten, darunter Bananen, Äpfel, Orangen, Tomaten, Karotten und Zucchini. Gerade diese Grundprodukte bringen Kundschaft laufend in die Filialen. Bei grossen Supermärkten kann der Frischebereich:

  • bis zu ein Drittel des gesamten Umsatzes mit Frischwaren erwirtschaften
  • rund 6 bis 8,5 Prozent des Gesamtumsatzes eines Hypermarkts ausmachen

Damit ist Obst und Gemüse eine der entscheidenden Grössen für das Geschäftsergebnis. Zugleich lassen sich Preise in diesem Segment gut steuern, weil Kundinnen und Kunden weniger unmittelbare Vergleichsmöglichkeiten haben als bei Markenartikeln.

Weshalb Obst und Gemüse so teuer erscheinen

Bevor eine Tomate im Regal landet, fallen tatsächlich Kosten an. Die Erzeugung ist arbeitsaufwendig, denn Ernte, Sortieren und Verpacken erfolgen vielfach händisch. Dazu kommen Ausgaben für Transport und Kühlung sowie Ware, die im Geschäft verdirbt und entsorgt werden muss.

Diese Faktoren machen es schwierig, ein Kilo dauerhaft um einen Euro anzubieten. Vor allem empfindliche Produkte wie Beeren und Salate verursachen rasch Verluste, wenn die Nachfrage schwankt oder das Wetter ungünstig ist.

Obst und Gemüse sind kostspielig in der Erzeugung – trotzdem erklärt das nicht jede Preisspanne im Supermarkt.

Trotz dieser realen Aufwendungen ist bei einzelnen Produkten der Unterschied zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis auffallend hoch. Genau an diesem Punkt greift die Preisstrategie grosser Handelsketten.

Wie Supermärkte mit Obst und Gemüse andere Sortimente quersubventionieren

Bei bekannten Markenartikeln wie Waschmitteln, Cola oder Schokoriegeln stehen Handelsketten in einem harten Preiswettbewerb. Preise lassen sich dort bequem über Apps und Werbeprospekte gegenüberstellen. Die Handelsspannen sind in diesen Bereichen oft gering und liegen teilweise beinahe bei null.

Um dennoch Erträge zu erzielen, nutzen viele Händler die Quersubventionierung. Dabei locken manche Warengruppen mit günstigen Preisen, während andere Bereiche die fehlenden Einnahmen ausgleichen. Der Frischebereich ist dafür besonders geeignet, da Kundinnen und Kunden Kilopreise zwischen verschiedenen Märkten seltener auf den Cent genau vergleichen.

Studien weisen im Obst- und Gemüsehandel häufig eine Bruttomarge zwischen 25 und 50 Prozent aus. Je nach Produkt fallen die Aufschläge sehr unterschiedlich aus:

  • Lockprodukte wie Bananen oder Karotten: meist besonders knapp kalkuliert und oft Teil von Werbeaktionen
  • Exotische Früchte oder Beeren: mit deutlich höheren Aufschlägen
  • Vorgeschnittene Ware wie Obstsalat in Schalen oder fertige Salatmischungen: mit besonders hohen Margen

Untersuchungen fanden beispielsweise Kartoffeln, die Händler um wenige Cent je Kilo einkauften und anschliessend für mehr als einen Euro verkauften. Hier entsteht das sprichwörtliche „Melkprodukt“ des Supermarkts.

Weshalb Obst und Gemüse auch günstiger sein könnte

Der Preis setzt sich somit nicht ausschliesslich aus Arbeitsaufwand und Transport zusammen, sondern auch aus internen Kalkulationsmethoden. Erzielen Ketten in einer Warengruppe 40 Prozent Bruttomarge, könnten rechnerisch mehrere Cent pro Kilo eingespart werden.

Schon wenige Prozentpunkte weniger Handelsspanne könnten für Familien merkbar sein – besonders bei Wochenkäufen.

Vergleiche typischer Einkaufskörbe zeigen, dass Wochenmärkte und direkte Vermarktungswege ab Hof bei saisonaler Ware durchschnittlich etwa 6 Prozent unter den Preisen der grossen Ketten liegen. Besonders bei regionalem Obst und Gemüse wird dieser Unterschied sichtbar.

Viele erreichen die 5-am-Tag-Empfehlung wegen der Preise nicht

Rund 36 Prozent der Menschen erklären, die bekannte Empfehlung von „fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag“ nicht zu schaffen. Als Hauptgrund nennen sie den Preis. Haushalte mit knappem Budget greifen eher zu Nudeln, Toast und Fertigprodukten.

Dadurch treffen zwei Ziele aufeinander: Öffentliche Kampagnen werben für einen höheren Konsum frischer Lebensmittel, während deren Preisgestaltung sie für viele Haushalte schwer leistbar macht.

Welche politischen und praktischen Lösungen zur Diskussion stehen

In Fachkreisen werden unterschiedliche Möglichkeiten erörtert, um die Situation zu verbessern. Dazu zählen unter anderem:

  • Begrenzung der Margen für einen fixen Warenkorb mit Grundprodukten wie Äpfeln, Karotten, Zwiebeln und Kartoffeln
  • Transparente Aufschlüsselung, welcher Anteil des Preises bei den Erzeugern ankommt und welcher beim Handel verbleibt
  • Geänderte Rabattstrategien: weniger Aktionen für Süssgetränke und Snacks, dafür mehr Vergünstigungen für frische Produkte

Ob und in welcher Form diese Vorschläge umgesetzt werden, ist offen. Während der Handel vor Eingriffen in seine Preisfreiheit warnt, verlangen Verbraucherschützer genau solche Massnahmen.

Was Käuferinnen und Käufer schon heute tun können

Auch ohne neue gesetzliche Vorgaben lässt sich der eigene Einkauf spürbar verbessern. Mehrere Möglichkeiten ergeben sich direkt beim Verhalten im Geschäft:

  • Saisonware bevorzugen: Erdbeeren im Juni sind günstiger als im Februar aus dem Gewächshaus.
  • Kilopreise vergleichen: Stückpreise oder auffällige Aufkleber können leicht in die Irre führen.
  • Supermarkt und Markt kombinieren: Wer beide Einkaufsorte nutzt, kann einzelne Produkte gezielt dort kaufen, wo sie günstiger sind.
  • Fertigprodukte vermeiden: Geschnittenes Obst oder Salatmischungen im Beutel sind praktisch, kosten aber deutlich mehr.
  • Regionale Ware beachten: Kürzere Wege verringern die Transportkosten – und häufig zeigt sich das auch beim Preis.

Insbesondere Familien, die regelmässig grössere Mengen einkaufen, merken selbst kleine Preisunterschiede. Wer jede Woche 5 bis 7 Kilo Frischware kauft, spart bei 30 Cent Preisunterschied je Kilo übers Jahr gerechnet einen ordentlichen zweistelligen Betrag.

Warum Märkte und Hofläden oft günstiger wirken – und wann sie es sind

Direktvermarkter arbeiten mit anderen Kostenstrukturen. Zwischen Erzeuger und Kundschaft liegen meist weder ein grosses Lager noch eine Zentrale oder lange Transportwege. Das kann vor allem bei grösseren Mengen und saisonalen Spitzenangeboten günstigere Preise ermöglichen.

Ein genauer Vergleich lohnt sich dennoch. Manche Hofläden verstehen sich eher als Premium-Angebot und berücksichtigen höhere Lohnkosten sowie kleinere Mengen. In solchen Fällen dreht sich das Verhältnis um, und der Supermarkt ist plötzlich preiswerter.

Wer Preise wirklich vergleichen will, sollte sich nicht vom Ambiente leiten lassen, sondern von der kleinen Zahl auf dem Kilopreisschild.

Worauf es künftig ankommt

Der Frischebereich bleibt ein Spannungsfeld: Für den Handel ist er ein zentraler Gewinnbringer, für viele Haushalte hingegen eine belastende Budgetposition. Bereits geringe Änderungen in der Kalkulation könnten viel bewirken – sowohl beim Vitaminkonsum als auch bei den Einnahmen der Geschäfte.

Wer beim Einkauf bereits heute stärker auf Saison, Herkunft und Kilopreis achtet, reduziert die Wirkung der stillen Quersubventionierung. Langfristig könnte nur das Zusammenspiel aus politischem Druck, Transparenz und bewusstem Einkaufsverhalten dafür sorgen, dass ein voller Korb mit Obst und Gemüse nicht länger wie Luxus erscheint.

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Mag. Lukas Hinteregger

Mag. Lukas Hinteregger ist Landschaftsarchitekt und Spezialist für nachhaltiges Bauen mit Holz sowie naturnahe Rückzugsorte im Grünen. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit Baumhäusern, ressourcenschonender Architektur und der Verbindung von Wohnkomfort und Waldökologie. Seine besondere Leidenschaft gilt individuell geplanten Treehäusern, die sich behutsam in die österreichische Landschaft einfügen.

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