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Kaffee, Koffein und Herzgesundheit: Was die AHA sagt

Mann sitzt am Tisch, trinkt aus Tasse, auf dem Tisch liegen EKG-Ausdruck und Stethoskop.
In diesem Artikel
  1. Mässiger Kaffeekonsum scheint sicher
  2. Kaffee wirkt auf das Herz unterschiedlich
  3. Die Dosis macht den Unterschied
  4. Kaffee könnte das Herz schützen
  5. Herzrhythmus: Kaffee hat zwei Seiten
  6. Wo die Datenlage noch unklar ist
  7. Energydrinks sind etwas anderes
  8. Mehr Forschung zu Kaffee und Herzgesundheit
  9. Keine einheitlich sichere Menge

Koffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte Droge. Für die meisten Menschen kommt es in einer heissen Tasse am Morgen daher – eher als Ritual denn als Dosis.

Welche Folgen diese Gewohnheit über ein ganzes Leben für das Herz hat, liess sich erstaunlich schwer klären. Kaffee enthält weit mehr als Koffein, weshalb sich die Wirkungen beider Faktoren nur schwer voneinander trennen lassen.

Eine neue wissenschaftliche Stellungnahme der Amerikanischen Herzgesellschaft (AHA) fasst nun die bislang überzeugendsten Erkenntnisse zusammen.

„Menschen, die koffeinhaltigen Kaffee und Tee gerne trinken, können im Allgemeinen beruhigt sein: Der Konsum erhöht ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht und könnte sogar gewisse positive Wirkungen haben“, sagte Gregory Marcus, Vorsitzender der Autorengruppe, Earth.com in einem Exklusivinterview.

Mässiger Kaffeekonsum scheint sicher

Der Grossteil des Koffeins stammt aus Kaffee. Entsprechend bezog sich auch der überwiegende Teil der ausgewerteten Forschung auf dieses Getränk.

„Das in Kaffee enthaltene Koffein gehört für Millionen Menschen zum Alltag. Unsere Auswertung der aktuellsten Forschung zeigt: Für die meisten Erwachsenen sind bis zu 400 mg Koffein/Tag sicher – das entspricht bis zu 5 Tassen koffeinhaltigem Kaffee täglich ohne zugesetzten Zucker oder Füllstoffe – und erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko nicht“, erklärte Marcus.

„Hohe Koffeindosen hingegen, wie sie etwa in Energydrinks einschliesslich Energy Shots vorkommen, können dem Herzen schaden und sollten gemieden werden.“

Kaffee wirkt auf das Herz unterschiedlich

Schon innerhalb einer Stunde nach dem ersten Schluck erreicht Koffein beinahe alle Bereiche des Körpers. Bei gesunden Erwachsenen baut die Leber ungefähr die Hälfte einer Dosis in etwa vier bis fünf Stunden ab.

Wie schnell das geschieht, ist genetisch mitbestimmt. Deshalb können zwei Personen nach derselben Tasse völlig unterschiedliche Wirkungen verspüren. Manche entwickeln über die Jahre eine Toleranz, andere fühlen sich bereits nach einer Portion stark aufgedreht.

Kurzfristig kann Koffein Blutdruck, Herzfrequenz und Wachheit anheben. Bei manchen Menschen führt derselbe Schub jedoch zu Herzstolpern oder einer schlechten Nacht.

Die Dosis macht den Unterschied

Der Zusammenhang zwischen Koffein und Blutdruck verläuft auf ungewöhnliche Weise. Bei Menschen mit anfangs gesundem Blutdruck waren ein bis drei Tassen täglich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck verbunden.

Bei regelmässigem stärkerem Konsum von mehr als drei Tassen zeigte sich hingegen der gegenteilige Trend. Langfristig schien eine eingespielte Kaffeeroutine den Blutdruck eher zu senken als zu erhöhen.

Ein einzelner kräftiger Impuls wirkt anders: Eine Dosis von 250 mg liess den Blutdruck bei Männern, die bereits Bluthochdruck hatten, deutlich ansteigen.

Neben der Menge zählen auch Gewohnheit und Zeitpunkt. Ein an Koffein gewöhnter Körper reagiert gelassener, während Menschen mit seltenem Konsum empfindlicher darauf ansprechen.

Kaffee könnte das Herz schützen

Regelmässig getrunkener schwarzer Kaffee schneidet in den Daten wiederholt günstig ab. In einer Auswertung von 28 Langzeitstudien sank das Risiko für Typ-2-Diabetes bei Personen, die durchschnittlich mehrere Tassen pro Tag tranken, um 20% bis 30%.

Bei Schlaganfällen zeigte sich ein ähnliches Muster. Eine gemeinsame Analyse von 20 Studien ergab das geringste Risiko bei drei bis vier Tassen täglich – mit einer Reduktion von knapp 21%.

Auch Herzinsuffizienz und verstopfte Arterien folgen einer vergleichbaren Kurve. Das Risiko ist bei rund vier Tassen pro Tag am niedrigsten und steigt wieder leicht an, sobald der Konsum darüber hinausgeht.

Herzrhythmus: Kaffee hat zwei Seiten

„Viele waren von einigen der kontraintuitiven Erkenntnisse zu Herzrhythmusstörungen überrascht. Denn starke und zunehmende Evidenz deutet darauf hin, dass koffeinhaltiger Kaffee das Risiko für die häufigste Herzrhythmusstörung, Vorhofflimmern, senken kann“, sagte Marcus zu Earth.com.

„Ein wichtiger Vorbehalt ist jedoch, dass ebenso belastbare Evidenz darauf hindeutet, dass er die Häufigkeit einer anderen Herzrhythmusstörung erhöhen kann: vorzeitiger ventrikulärer Kontraktionen oder PVCs.“

Eine randomisierte Studie bezifferte den ersten Teil dieses Ergebnisses. Bei Menschen mit Neigung zu Vorhofflimmern verringerte die Beibehaltung des Konsums von koffeinhaltigem Kaffee Rückfälle um 39 Prozent.

Wo die Datenlage noch unklar ist

Beim Cholesterin kommt ein weiterer Faktor hinzu. Cafestol, eine Verbindung in ungefiltertem Kaffee wie French Press und gekochtem Kaffee, erhöht die schädliche Form des Cholesterins; ein Papierfilter hält allerdings den grössten Teil davon zurück.

Auch die Zutaten in der Tasse spielen eine Rolle. Zucker, aromatisierte Sirupe und Schlagobers können einen grossen Teil des Nutzens zunichtemachen, den schwarzer Kaffee offenbar bietet.

Der Grossteil dieser Erkenntnisse beruht auf der Beobachtung grosser Gruppen über viele Jahre und nicht auf kontrollierten Experimenten. Daher bleibt die Möglichkeit bestehen, dass regelmässige Kaffeetrinkerinnen und Kaffeetrinker von Anfang an schlicht gesünder waren.

Energydrinks sind etwas anderes

Energydrinks und Energy Shots bilden eine eigene Kategorie. Ein einzelner Shot kann in einem sehr kleinen Volumen drei- bis viermal so viel Koffein wie gewöhnlicher Kaffee enthalten.

Selbst junge, gesunde Menschen ohne bekannte Herzprobleme entwickelten nach einem einzigen solchen Produkt bereits Herzrhythmusstörungen.

„Wir wissen nicht, warum Energydrinks für die Herz-Kreislauf-Gesundheit schädlicher zu sein scheinen als Kaffee, der in natürlich vorkommenden Produkten wie Kaffee oder Tee konsumiert wird. Wichtig ist, dass es zu Energydrinks deutlich weniger Forschung gibt als zu diesen anderen Produkten“, sagte Marcus zu Earth.com.

„Mögliche Erklärungen sind, dass diese Getränke tendenziell höhere Koffeindosen in wesentlich konzentrierterer Form liefern, oder dass die begleitenden Bestandteile von Energydrinks – etwa einfache Zucker und Inhaltsstoffe wie Taurin – dem Herzen schaden könnten.“

Mehr Forschung zu Kaffee und Herzgesundheit

Koffein wurde in den Ernährungsleitlinien der Amerikanischen Herzgesellschaft für 2026 nicht berücksichtigt, weil die Daten für eine eindeutige Empfehlung noch nicht ausreichen.

„Wir müssen noch viel lernen, denn die Wirkungen von Kaffee sind komplex und können zwischen Menschen stark variieren. Es braucht mehr randomisierte kontrollierte Studien, die sich auf koffeinhaltige Energydrinks und andere beliebte koffeinhaltige Produkte konzentrieren“, merkte Marcus gegenüber Earth.com an.

„Die bisher hilfreiche Forschung wurde oft von Forschenden selbst angestossen und durch Steuergelder finanziert. Das ist ein schönes Beispiel für den Wert neugiergetriebener, unvoreingenommener Grundlagenforschung.“

Keine einheitlich sichere Menge

Die Stellungnahme legt keine einzelne Regel für alle fest. Wie jemand Koffein verträgt, hängt ebenso von der individuellen Biologie wie von der konsumierten Dosis ab.

Marcus erklärte, es gebe keine „Einheitslösung“ für einen sicheren Koffeinkonsum, weil die Reaktionen je nach Alter, Medikamenten, Gesundheitszustand, Genetik und Abbaugeschwindigkeit sehr unterschiedlich ausfielen.

Er rät dazu, auf die Reaktion des eigenen Körpers zu achten und ärztlich abzuklären, welche Menge passend ist.

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Mag. Lukas Hinteregger

Mag. Lukas Hinteregger ist Landschaftsarchitekt und Spezialist für nachhaltiges Bauen mit Holz sowie naturnahe Rückzugsorte im Grünen. Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit Baumhäusern, ressourcenschonender Architektur und der Verbindung von Wohnkomfort und Waldökologie. Seine besondere Leidenschaft gilt individuell geplanten Treehäusern, die sich behutsam in die österreichische Landschaft einfügen.

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