Wandernde Süßwasserfische vor dem Kollaps
Bestände wandernder Süßwasserfische, die für gesunde Flüsse und den Lebensunterhalt von Millionen Menschen entscheidend sind, brechen dramatisch ein und könnten kollabieren. Davor warnte eine umfassende UN-Bewertung am Dienstag.
Von Amazonien bis zur Donau bedrohen die Zerstörung von Lebensräumen, Überfischung und Wasserverschmutzung das Überleben Hunderter Arten. Ihre außergewöhnlichen Wanderungen entlang der großen Flüsse der Welt bleiben vielfach unbeachtet.
Der zum Auftakt des COP15-Gipfels über wandernde Arten in Brasilien veröffentlichte Bericht hält fest, dass Süßwasserfische zahlreichen Gefahren ausgesetzt sind. Dadurch zählen sie „zu den am stärksten bedrohten Wirbeltieren“.
Zu den Populationen, die in den vergangenen Jahrzehnten durch menschliche Einflüsse massiv dezimiert wurden, gehören der Mekong-Riesenwels, der Europäische Aal und verschiedene Störarten. Zu diesen Belastungen zählen der Bau von Staudämmen sowie der Fang zur Kaviarproduktion.
Einige Arten – darunter der Chinesische Löffelstör – wurden bereits für ausgestorben erklärt. Andere sind für den Erhalt ihrer Wildbestände faktisch auf Zuchtbestände in Gefangenschaft und Wiederansiedlungen angewiesen.
Laut der Naturschutzorganisation WWF ist die Zahl wandernder Süßwasserfische seit 1970 um rund 81 Prozent zurückgegangen.
Grenzüberschreitende Flüsse erfordern Zusammenarbeit
Diese Fische sind weltweit eine wichtige Proteinquelle für Menschen und Tiere. Um zwischen Laich- und Nahrungsgebieten zu wandern, die sich über Landesgrenzen hinweg erstrecken können, benötigen sie ungehinderte Durchgänge.
Um ihren Rückgang aufzuhalten, ist daher internationale Zusammenarbeit erforderlich.
Der Bericht der Konvention zur Erhaltung wandernder wildlebender Tierarten (CMS) nennt fast 350 wandernde Fischarten, die von einem stärkeren Schutz im Rahmen des internationalen Übereinkommens profitieren könnten.
Arten wie Lachse, Aale und Neunaugen zählen zu jenen, die bei dem Treffen vom 23. bis 29. März in Campo Verde behandelt werden sollen.
Der weitaus größte Teil dieser Arten kommt in Asien vor, gefolgt von Südamerika und Europa.
Prioritätsgebiete für wandernde Süßwasserfische
Als vorrangig gelten die Flussgebiete von Amazonas und La Plata-Paraná in Südamerika, der Donau in Europa, des Mekong und des Ganges-Brahmaputra in Asien sowie des Nil in Afrika.
„Diese Bewertung zeigt, dass wandernde Süßwasserfische in ernsthaften Schwierigkeiten sind und ihr Schutz voraussetzt, dass Länder zusammenarbeiten, um Flüsse verbunden, produktiv und voller Leben zu erhalten“, erklärte Zeb Hogan, der Hauptautor der Bewertung, in einer Mitteilung.
© Agence France-Presse






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